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Jan 2021

Arbeitszeit: Flexibilität klappt auch im Handwerk

Immer mehr Betriebe erkennen, dass flexiblere Arbeitsbedingungen für bessere Ergebnisse und zufriedenere Beschäftigte sorgen. Das klappt auch im Handwerk prima. Die Zach Elektroanlagen GmH & Co. KG hat bereits vor der Pandemie viel für die Vereinbarkeit von Beruf- und Familienleben getan.

Was sonst Jahrzehnte braucht, hat Corona in wenigen Monaten geschafft: Die Mitarbeiterführung hat sich grundlegend verändert. „Wir haben ein Corona-Konzept entwickelt, das uns flexibel in Krisensituationen macht“, erklärt etwa Raphael Zach. Gemeinsam mit den Eltern Marianne und Otto Zach sowie den Geschwistern Tobias Zach und Verena Losert leitet der Elektrotechniker das knapp 100 Jahre alte Familienunternehmen im oberbayerischen Tacherting.

Als der erste Lockdown im Frühjahr kam, krempelten die Zachs den Betrieb komplett um. Die rund 70 Mitarbeiter wurden in zwei Teams eingeteilt, die sich jede Woche abwechselten. Wenn ein Team in der Firma war, leistete das zweite Team im Homeoffice Unterstützung. Die 17 Azubis wurden jeweils einem Team zugeordnet und wechselten nicht mehr die Abteilung. Für die ungefähr 50 Mitarbeiter im Kundendienst änderte sich hingegen kaum etwas. Sie arbeiteten in ihren Teams und mussten ihre Betriebsaufenthalte lediglich so einteilen, dass sie möglichst wenig Kollegen begegneten. Mancher holte bereits um sechs Uhr morgens seine Aufträge ab.

Bei den Anti-Corona-Maßnahmen profitierte der Elektroanlagenhersteller von einem neuen Gehalts- und Arbeitszeitmodell, das jedem Mitarbeiter das gleiche Monatseinkommen bei wechselnden Arbeitsstundenzahlen sicherstellt. Abgerechnet wird auf Basis der Jahresarbeitszeit. Jeder Mitarbeiter muss seine Arbeitszeiten mit seinem direkten Vorgesetzten abstimmen und dokumentieren. Für Zach balanciert dieses Modell Kundenanforderungen und Mitarbeiterwünsche geschickt aus und macht – wenn nötig – auch Wochenendarbeit möglich. „Auf Kundenanforderungen müssen wir immer flexibel reagieren“, sagt der Unternehmer.

Die Zach Elektoranlagen GmbH & Co.KG arbeitet mit öffentlichen und privaten Auftraggebern zusammen. Ein wichtiger Schwerpunkt sind Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung, zudem hat sich Zach auf komplexe Elektroinstallationen, Prozessleitsysteme, Automatisierungstechnologien und Blockheizkraftwerke spezialisiert. Am liebsten realisieren die Oberbayern komplette Projekte und wollen möglichst einziger Ansprechpartner sein. Hinzu kommen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, die inzwischen fast 20 Prozent des Umsatzes ausmachen. Zach möchte deshalb Mitarbeiter langfristig binden und bietet viele Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung. An Kollegen, die sowohl auf der Baustelle als auch im Büro Berufserfahrung gesammelt haben, herrscht derzeit kein Mangel. „Auch das ist ein Geheimnis unserer Flexibilität“, sagt Raphael Zach.

 

Arbeitszeit: Doppelt gewinnen mit mehr Flexibilität

Ohne eine größere Flexibilität bei den Arbeitszeiten, werden Handwerker künftig kaum noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden und diese halten können. Das hat viel mit der Herausforderung zu tun, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser zu gestalten. Das handwerk magazin hat zum Thema „Flexibles Arbeiten“ einen 10-Punkte-Plan aufgestellt:

  1. Möglichkeiten ausloten
    Von der Lebensarbeitszeit bis zur Vier-Tage-Woche. Modelle und Möglichkeiten für mehr Flexibilität gibt es viele. Welche sich für Ihren Betrieb eignen, müssen Sie individuell und auf Grundlage Ihrer Betriebskultur, Führungsstrategie und Marktanforderung entscheiden.
  1. Das Team fragen
    Zu oft denken sich Chefs Lösungen aus, die dann vom Team gar nicht oder nur teilweise angenommen werden. Damit keine wertvollen Potenziale zur Mitarbeitermotivation verloren gehen, sollten Sie als Führungskraft zwar die Leitplanken festlegen (siehe Schritt 1), Ihrem Team aber die Chance geben, Wünsche und Bedürfnisse zu äußern.
  1. Individuelle Lösungen zulassen
    Aufgrund der kleineren Betriebsgrößen können viele Handwerker individuelle Lösungen bieten. Nutzen Sie die Chance! Schließlich hat der 30-jährige Vater von zwei kleinen Kindern andere Bedürfnisse an ein Arbeitszeitmodell als ein 60-jähriger Mitarbeiter ohne familiäre Verpflichtung.
  1. Experten hinzuziehen
    Das Arbeitszeitgesetz lässt zwar prinzipiell viel Spielraum bei der Ausgestaltung von Arbeitszeitmodellen, dennoch gibt es einige Regeln zu beachten. Diskutieren Sie daher Ihre Ideen und Konzepte mit einem Steuerberater oder einem Fachanwalt.
  1. Die Spielregeln festlegen
    Wer darf wann Feierabend machen, gibt es Gleitzeiten und wie wird mit der Urlaubsplanung umgegangen? Wichtig ist es, vor der Einführung diese Fragen zu klären. Für das Bauhandwerk stellt sich auch die Frage: Fahren wir im Sommer und Winter das gleiche System oder passen wir uns den Witterungs- und Helligkeitsbedingungen an?
  1. Test-Zeitraum definieren
    Da Menschen gerne in alte Muster zurückfallen, sollten Sie Ihr Team dazu anhalten, das Modell wirklich zu probieren. Lassen Sie sich nicht von Rückschlägen entmutigen, diese haben nichts mit Ablehnung zu tun! Jede Veränderung braucht Zeit, bis sie sich etabliert hat und Teil der Kultur geworden ist.
  1. Erfahrungen austauschen
    Schaffen Sie eine entspannte und angstfreie Atmosphäre, damit jeder Mitarbeiter seine Meinung sowie Vor- und Nachteile klar äußern kann. Aus diesen Diskussionen ergeben sich oft gute Ansätze zur weiteren Verbesserung des neuen Ansatzes.
  1. Scheitern als Gewinn sehen
    In vereinzelten Fällen kommt das Team zur Erkenntnis, dass das alte Modell doch besser zu den eigenen Lebensgewohnheiten passt. Auch wenn das passiert, haben Sie einen echten Gewinn erzielt! Denn Ihre gute Absicht wird Ihrem Team im Kopf bleiben. Sie können also nur gewinnen, wenn Sie neue Wege wagen!
  1. Mit der Flexibilität werben
    Das Thema flexible Arbeitszeit ist für einen großen Teil der Mitarbeiter inzwischen wichtiger als das Geld. Gerade die „latent Suchenden“ (qualifizierte Fachkräfte, die offen für einen Arbeitgeberwechsel sind) erreichen Sie gut mit einer besseren Work-Life-Balance. Nutzen Sie Ihre Maßnahmen gezielt in der Werbung über Website, Social-Media und sonstigen Kanälen.
  1. Legen Sie sofort los!
    Warten Sie nicht länger, bis die Konkurrenz Ihnen den Rang abläuft. Viele Kollegen arbeiten bereits an oder mit Modellen, die Mitarbeitern mehr Flexibilität und Freiräume verschaffen. Diese Betriebe haben ein gewichtiges Argument in der Mitarbeitergewinnung – dem vielleicht wichtigsten Bereich in der Zukunft des Handwerks.

Weitere Informationen:

  • Artikel „Arbeitszeit: Doppelt gewinnen mit mehr Flexibilität“ auf der Webseite handwerk magazin. Weiterlesen
  • Beispiel der guten Praxis der Zach Elektroanlagen & Co. KG. Weiterlesen
  • Sammlung mit Beispielen der guten Praxis „Familienfreundlichkeit in Corona-Zeiten“ in unserem Infocenter. Weiterlesen

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