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26

Mär 2021

„Väter packen mit an“ – auf dem Weg zu einer väterfreundlichen Unternehmenskultur

Zeit in der Familie ist Kompetenz für den Beruf. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber profitieren, wenn sie passgenaue Unterstützungsangebote für Väter anbieten. Wir geben Tipps für eine väterfreundliche Unternehmenskultur.

Weit über 70 Prozent der kinderlosen Paare planen, nach der Geburt ihres Kindes die Aufgaben in Haushalt und Erziehung gemeinsam zu stemmen. Dabei stellt die gezielte Förderung der so genannten „aktiven Väter“ Unternehmen und Betrieb immer noch vor Herausforderungen – nicht nur in den klassischen Männerberufen. 

Wir möchten Ihnen im Folgenden aufzeigen, welche Möglichkeiten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben, eine väterfreundliche Unternehmenskultur zu fördern. Durch sowie über die wichtige Rolle von Vorbildern.

Was steht der Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern im Weg?

Immer mehr Männer möchten sich in die Kinderbetreuung einbringen und wünschen sich mehr Zeit für die Familie. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft oft eine Lücke. Die Gründe dafür sind vielfältig. Noch immer haben Männer Hemmungen, ihre Vaterschaft und die daraus resultierenden Bedürfnisse am Arbeitsplatz zur Sprache zu bringen.

Zu stark ist das vorherrschende Bild, dass erfolgreiche Männer immer im Einsatz sind und jede berufliche Herausforderung ohne Zögern annehmen. Und es fehlen oft die Vorbilder, also Männer, die es anders machen und Vaterschaft und Beruf vereinen. Männer und Frauen sind nach wie vor nicht gleichberechtigt im Beruf. Erwarten Frauen Nachwuchs, gehen Arbeitgeber eher davon aus, dass sie danach in Elternzeit gehen und eventuell in Teilzeit wieder einsteigen. Von Männern wird dagegen eher erwartet, dass sie abgesehen von den Partnermonaten bei der Elternzeit wie gewohnt weiterarbeiten.

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit im Home-Office in vielen Branchen zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Die Hoffnung, dass die Familienaufgaben zwischen Männern und Frauen gerechter verteilt werden, hat sich allerdings nicht erfüllt. Laut einer Befragung der Hans-Böckler-Stiftung dehnen Frauen im Home-Office ihre Betreuungs- und Haushaltstätigkeiten um etwa 1,7 Stunden pro Woche aus, Männer um 0,6 Stunden. Frauen nutzen die neuen Freiräume offenbar stärker dazu, sich für Haushalt und Familie einzubringen. Männer neigen eher dazu, mehr Überstunden zu leisten.

Wie können Unternehmen Väter unterstützen?

Nicht nur Kinder profitieren von engagierten Vätern - auch Unternehmen profitieren von Mitarbeitern, die Kind und Karriere zufriedener unter einen Hut bringen können.​ Eine väterbewusste Personalpolitik zeichnet sich aus durch:

  • Passgenaue Lösungen für Väter, die den unterschiedlichen individuellen Bedürfnissen entsprechen.
  • Zugänge finden, die sich für Männer eignen​
  • Zielgerichtete Ansprache der Väter
  • Vorbilder im Unternehmen als Mutmacher​
  • Rückendeckung durch Unternehmensleitung – z. B. indem diese zur Elternzeit ermutigt.

Flexible Arbeitszeitmodelle fördern die Vereinbarkeit

Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen haben Arbeitgeber ein wirksames Instrument zur Hand, um die Bedürfnisse von Vätern nach mehr Zeit für die Familie lebensphasengerecht aufzufangen. Folgende Modelle bieten sich dafür an:

  • Gleitzeit​
  • Teilzeit-plus-Modelle​ (auch für Führungskräfte!): das Angebot in vollzeitnaher Teilzeit zu arbeiten oder ausdrückliche Ermunterung zur zeitlichen Befristung einer Teilzeitbeschäftigung
  • Teilzeit mit Jobsharing​
  • Arbeitszeitkonten​
  • Flexible Arbeitszeit in Verbindung mit flexiblem Arbeitsort​

Fünf Schritte zum väterfreundlichen Unternehmen

1. Bestandsaufnahme

Welche Angebote gibt es schon für Väter, was davon wird tatsächlich genutzt?​ Prüfen Sie auch, wie Männer, die ihre Vaterrolle leben möchten, im Unternehmen wahrgenommen werden.

2. Möglichkeiten identifizieren

Wie viel Präsenz ist wirklich notwendig, um die Aufgaben zu erfüllen? Welche Wünsche und Bedürfnisse haben die Väter? Loten Sie hier die Gestaltungsspielräume aus. ​

3. Passgenaue Maßnahmen initiieren

Dazu gehören zum Beispiel Home-Office und Jobsharing oder Angebote für die Kinder- oder Ferienbetreuung.

4. Glaubwürdig kommunizieren

Im Vordergrund sollte die Botschaft stehen, dass aktive Väter ein Zugewinn für die Firma sind. Zu prüfen ist: Findet eine väteradäquate, eher faktenbasierte Sprache Verwendung? Gibt es nützliche Informationen, werden Erfolge präsentiert?

5. Erfolge nachhaltig sichern

Führen Sie Erhebungen durch, wie Väter die familienorientierten Maßnahmen nutzen.  Hier hilft auch der Vergleich innerhalb der verschiedenen Unternehmensbereiche sowie mit anderen Unternehmen.

Wie können Unternehmen Väter konkret unterstützen?

  • Gezieltes Angebot von Kinderbetreuung
  • Unterstützung bei Fragen rund um Elternschaft und Erziehung, zB. durch aktive Ansprache durch die Personalabteilung oder die unmittelbare Führungskraft bei Geburt eines Kindes
  • Väter-Netzwerke im Unternehmen zur gegenseitigen Entlastung
  • Innerbetriebliches Ehrenamt, das zum Beispiel Angebote für Kinder initiiert
  • Ergebnisorientierung statt Präsenzkultur
  • Männliche Führungskräfte sind Vorbilder, sie nehmen Elternzeit und reduzieren ihre Arbeitszeit
  • Familienfreundlichkeit als Markenzeichen
  • Beachtung der gesetzlichen Regelungen für Eltern.

Väterfreundlichkeit ist auch eine Sache der Kommunikation

Damit Väter sich angesprochen fühlen, ist es hilfreich, wenn Arbeitgeber die Sprache und Bildwelt an die Wahrnehmung von Männern anpassen. Wo in Zusammenhang mit Elternschaft nur Mütter auftauchen, fühlen sich Väter nicht gemeint. Hier hilft es auch, Väter gezielt auf Vereinbarkeitsmaßnahmen im Unternehmen hinzuweisen.  

Und ein kleiner „sprachlicher“ Tipp am Ende: Da „Arbeiten in Teilzeit“ von vielen betroffenen Männern immer noch sehr wenig angenommen wird und auch einige Unternehmen damit immer noch hadern, vielleicht hilft schon eine andere Wortwahl, wie zB. das „Arbeiten mit/in Flex-Zeit“.

 

Weitere Informationen:

  • Beispiele, Tipps und Maßnahmen im Infocenter Weiterlesen
  • Impuls Beitrag der Hand Böckler Stiftung (2020) Weiterlesen 
  • Prognos Studie „Neue Chancen für Vereinbarkeit“ (2020) Weiterlesen 

 

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