Maßnahmen
Klare Regeln für dauerhafte Wirkung
Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt besonders dann, wenn sie auf klaren und verbindlichen Regeln basiert, die von allen Mitarbeitenden akzeptiert werden. Ein betriebliches Familienleitbild oder ein spezifisches Regelwerk kann dabei Orientierung geben. Für Führungskräfte und Mitarbeitende wird dadurch sichtbar, welchen Stellenwert Familienfreundlichkeit in Unternehmen und Betrieben hat und wie wichtig das Thema Vereinbarkeit ist. Verbindliche Regelungen erleichtern es Mitarbeitenden zudem, die vorhandenen Angebote tatsächlich zu nutzen.
- Betriebliches Familienleitbild: Ein Leitbild für Familienfreundlichkeit kann Unternehmen und Betriebe dabei unterstützen, Werte und Prinzipien sichtbar zu machen. Es bietet Orientierung für Führungskräfte und Mitarbeitende, zeigt, wie Vereinbarkeit im Alltag gelebt werden kann, und signalisiert das Engagement der Unternehmens- bzw. Betriebsleitung.
- Verbindliche Regeln: Betriebsvereinbarungen oder interne Richtlinien können dazu beitragen, dass Angebote zur Vereinbarkeit planbar und leichter nutzbar werden. Mitarbeitende erhalten dadurch Sicherheit bei Elternzeiten, Führungskräfte können Abläufe besser koordinieren, und das Unternehmen bzw. der Betrieb profitiert von einer verlässlicheren Ressourcenplanung.
- Rechtlicher Rahmen: Gesetzliche Grundlagen wie das Mutterschutzgesetz, das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) oder das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) bilden den Mindeststandard für familienfreundliche Maßnahmen. Unternehmen und Betriebe, die darüber hinausgehen, stärken ihre Attraktivität und heben sich im Wettbewerb ab.
- Vereinbarkeit in Steuerungssystemen: Die Integration von Zielen für Führungskräfte, flexible Arbeitsmodelle oder Unterstützung bei Familienaufgaben in Zielvereinbarungen kann die Umsetzung von Maßnahmen erleichtern. Dies unterstützt Führungskräfte darin, Angebote aktiv zu fördern, und sorgt für eine nachhaltige Wirkung innerhalb des Unternehmens oder Betriebs.
- Konkrete Umsetzung: Leitlinien werden greifbarer, wenn sie durch konkrete Maßnahmen und Programme umgesetzt werden, etwa Coachingprogramme für Mitarbeitende nach der Elternzeit. Dies erleichtert die Nutzung der Angebote und macht die Familienfreundlichkeit für alle Mitarbeitenden erlebbar.
- Überprüfung und Anpassung: Leitbild, Regeln und Maßnahmen können regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden. So bleibt die Relevanz der Angebote erhalten, die Unternehmens- bzw. Betriebskultur wird gestärkt, und das Unternehmen bzw. der Betrieb kann flexibel auf sich verändernde Bedürfnisse der Mitarbeitenden reagieren.
Weiterführende Links und Informationen
Leitlinien – Familienfreundliche Kultur (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, o. D.)
Familienfreundliche Unternehmenskultur (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2019)
Gezielte Anpassung
Die Anforderungen an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Unternehmen und Betriebe profitieren, wenn sie ihre Unternehmens- bzw. Betriebskultur aktiv darauf ausrichten und Vereinbarkeitsangebote regelmäßig hinterfragen und anpassen. Entscheidend ist, die Maßnahmen zielgruppenspezifisch zu gestalten. Dabei sollte Familienfreundlichkeit nicht nur auf Elternschaft reduziert werden. Auch Mitarbeitende, die Angehörige pflegen oder alleinerziehend sind, benötigen flexible Unterstützung. Ein erweitertes Verständnis von Vereinbarkeit bedeutet daher, die vielfältigen Lebensrealitäten in der Belegschaft mitzudenken und allen Mitarbeitenden passende Angebote zu ermöglichen. Dabei gilt es folgende Punkte in der Praxis zu berücksichtigen:
- Bedarfsanalyse: Unternehmen und Betriebe können ihre neuen Maßnahmen passgenau gestalten, indem sie die Bedürfnisse der Mitarbeitenden erheben. Bereits zu Beginn der Umsetzung einer familienfreundlichen Personalpolitik hilft eine Bedarfsanalyse dabei, den konkreten Bedarf an Maßnahmen systematisch zu erfassen und die Angebote gezielt darauf auszurichten. Eine differenzierte Anpassung an verschiedene Zielgruppen sorgt dafür, dass Ressourcen gezielt eingesetzt werden und der Nutzen für Unternehmen und Betriebe maximiert wird.
- Flexible Arbeitsmodelle: Durch die Bereitstellung von Homeoffice, Jobsharing oder vollzeitnaher Teilzeit können Unternehmen und Betriebe ihre Attraktivität für Talente steigern und die Mitarbeitermotivation erhöhen. Digitale Tools wie Online-Kalender, Kollaborationsplattformen oder Apps zur Arbeitszeitplanung erleichtern die Umsetzung in der Praxis.
- Betreuungsangebote: Angebote wie Kinderbetreuung helfen Mitarbeitenden, private Verpflichtungen besser zu vereinbaren. Davon profitieren Unternehmen und Betriebe durch höhere Verlässlichkeit, geringere Fehlzeiten und ein positives Arbeitsklima, das die Bindung an das Unternehmen bzw. den Betrieb stärkt.
- Erfolgsbeispiele: Erfolgreiche Beispiele aus dem eigenen Unternehmen oder Betrieb können als Orientierung dienen und die Umsetzung erleichtern. Dies steigert die Motivation der Mitarbeitenden und zeigt die Ernsthaftigkeit des Engagements.
- Regelmäßige Evaluation: Die Überprüfung und Anpassung von Maßnahmen stellt sicher, dass Angebote stets relevant und wirksam bleiben. Unternehmen und Betriebe sichern dadurch langfristig den Nutzen ihrer Investitionen, verbessern die Mitarbeitendenbindung und reagieren proaktiv auf Veränderungen in den Bedürfnissen der Belegschaft. Kennenzahlen, welche für die Bewertung herangezogen werden können, sind u. a. Zahlen aus Mitarbeitendenbefragungen, Fluktuationsraten, Rückkehrquoten nach der Elternzeit, Krankheitstage oder auch der Anteil weiblicher Führungskräfte.
Weiterführende Links und Informationen
Ratgeber Arbeitszeit
Ratgeber Arbeitsorganisation
Checkheft – Familienorientierte Personalpolitik für kleine und mittlere Unternehmen (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 2022)
Rolle der Führungskraft als Gestalter und Vorbilder
Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle für den Erfolg einer familienfreundlichen Unternehmens- und Betriebskultur. Ihr Verhalten, ihre Haltung und ihre Vorbildfunktion prägen maßgeblich, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Unternehmen und Betrieb gelebt wird. Führungskräfte, die auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen und flexible Lösungen ermöglichen, steigern die Motivation, Bindung und Loyalität ihrer Teams. Haben sie zudem eigene familiäre Verpflichtungen und nutzen familienfreundliche Angebote, können sie eine besondere Vorbildfunktion übernehmen. So gewinnen Maßnahmen an Glaubwürdigkeit, und die Unternehmens- bzw. Betriebskultur wird von Mitarbeitenden eher als authentisch und unterstützend wahrgenommen.
- Arbeitszeitmodelle für Führungskräfte: Flexible Arbeitszeitmodelle gehören zu den wirksamsten Instrumenten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, auch in Führungspositionen. Sie sind ein entscheidender Faktor dafür, mehr Frauen den Zugang zu Leitungsfunktionen zu ermöglichen. Unternehmen und Betriebe, die solche Modelle anbieten, erhöhen die Motivation und Leistungsbereitschaft ihrer Führungskräfte, was sich direkt in Effizienz und Innovationsfähigkeit niederschlägt.
- Führungskräftetraining: Ein gezieltes Training sensibilisiert Führungskräfte für ein betriebliches Familienbewusstsein und stärkt ihre Rolle als Vermittler zwischen Unternehmens- bzw. Betriebsanforderungen und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden. Workshops, externe Expertinnen und Experten sowie Best-Practice-Austausch geben wertvolle Impulse für familienbewusste Führungskompetenzen und praxisnahe Lösungen. Ergänzend fördern Mentoring-Programme und flexible Online-Seminare den Wissenstransfer und die kontinuierliche Weiterentwicklung. Durch begleitendes Feedback lassen sich Maßnahmen zudem laufend überprüfen und anpassen. So wird eine glaubwürdige, familienfreundliche Unternehmens- bzw. Betriebskultur unterstützt, die Motivation, Bindung und Leistungsfähigkeit im Unternehmen und Betrieb gestärkt.
- Führungstandem: Das Modell „Führungstandem“, auch bekannt als Doppelspitze, bietet Unternehmen und Betrieben einige Vorteile. Durch die gemeinsame Ausübung von Führungsaufgaben entstehen eine breitere Wissensbasis, bessere Entscheidungsfindung und eine höhere Resilienz gegenüber Ausfällen.
- Führung in Teilzeit und Jobsharing: Führung in Teilzeit erweitert den Talentpool für leitende Positionen und ermöglicht es Unternehmen und Betrieben, hochqualifizierte Mitarbeitende auch dann zu halten, wenn diese zeitlich eingeschränkt sind.
Weiterführende Links und Informationen
Ratgeber Arbeitszeit
So funktioniert eine Doppelspitze als Führungsmodell (Personalwirtschaft, 2020)
Führen in Teilzeit – geht das? (Haufe, 2023)
Zukunftsstudie Vereinbarkeit (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, 2025)
Leitfaden
Der Kurzleitfaden: Familienbewusste Unternehmenskultur und Führung bietet Ihnen praxisorientierte Strategien zur Implementierung familienfreundlicher Führungspraktiken. Ergänzt wird er durch wertvolle Tipps und bewährte Methoden von erfolgreichen Unternehmen und Betrieben, die inspirierende Einblicke und konkrete Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Führungspositionen geben.
